Joachim Löw zeigte sich nach dem 2:0 in Wales zufrieden über einen „enorm wichtigen Sieg“, sieht in der Nationalmannschaft mit Blick auf die angestrebte WM 2010 aber noch viel Luft nach oben. Das Ziel, sechs Punkte aus den vergangenen beiden Qualifikationsspielen zu holen, habe das Team erreicht.
Was sagen Sie zur Auseinandersetzung zwischen Ballack und Podolski?
Joachim Löw: „Ich habe nicht genau gesehen, was auf dem Platz passiert ist. Aber klar ist, Anweisungen vom Kapitän und den erfahrenen Spielern müssen umgesetzt werden. Das ist wichtig. Wenn Emotionen da sind und die Spannung hoch ist, gibt es solche Dinge mal. Die Mannschaft war selten so kommunikativ wie in diesen zehn Tagen, in denen eine sehr gute Energie vorhanden war.“
Wie sehen Sie jetzt die sportliche Situation in der WM-Gruppe 4?
Löw: „Wir haben 16 von 18 möglichen Punkten. Und haben noch vier ausstehende Spiele. Nach so einem Turnier-Jahr ist das fast maximal. Hier hätte ich mir gewünscht, dass wir nach dem 2:0 weiter auf das dritte Tor spielen, etwas mehr an Tempo gewinnen. Aber das Spiel ist dann so dahin geplätschert. Es ist auch ein bisschen verständlich, dass die Spieler das Tempo rausgenommen haben. In der nächsten Woche ist Champions League, UEFA-Cup und Bundesliga.“
Was nehmen Sie aus den vergangenen zehn Tagen mit?
Löw: „Russland hat gerade so 1:0 gewonnen gegen Liechtenstein. So eine Qualifikation ist nicht so einfach. Da ist es wichtig zu gewinnen. Die letzten zehn Tage waren enorm wichtig für uns, weil manche Dinge aufgearbeitet und analysiert worden sind. Im Training wurden einige Akzente gesetzt. Die Mannschaft hat sich klasse verhalten, beginnend mit dem Test, war sehr konzentriert.“
Sie sind taktisch wieder zu Ihrem EM-System mit einem offensiveren Michael Ballack zurückgekehrt, ein Lösung für die Zukunft?
Löw: „Dauerhaft nicht, aber es ist durchaus immer mal wieder eine taktische Variante. Marcell Jansen ist abgereist, weil sich die Grippe verstärkt hatte. Und Piotr Trochowski hat zwei Wochen nicht gespielt und erst Sonntag wieder mit der Mannschaft trainiert. Deshalb wollte ich ihn als Joker haben. Ich hatte noch irgendwie das Gefühl, an einem Schräubchen drehen zu müssen. Ich wollte mit Simon Rolfes das zentrale Mittelfeld kompakt machen. Auch damit Michael Ballack mehr Freiheiten genießen kann.“
Wie sehen Sie die Leistung von Robert Enke, der wie René Adler und Tim Wiese die Nummer 1 werden will?
Löw: „Robert Enke war gut. Die zwei, drei guten Möglichkeiten, die Wales hatte, hat er sehr gut gemeistert. Bei der einen oder anderen hohen Flanke oder bei den Eckbällen hatte er eine gute Lufthoheit. Er war souverän. Es ist die Aufgabe von Andreas Köpke an alle Torhüter, vermehrt auch an der Strafraumbeherrschung zu arbeiten. Dass man den Mut hat, rauszugehen bei Flanken, bei Bällen, die lange unterwegs sind. Da können und sollen sich alle unsere Torhüter noch ein Stückchen verbessern. In der Reaktion auf der Linie ist Robert Enke schon immer herausragend.“
Mario Gomez hat zumindest wieder ein „halbes Tor“ erzielt, schreiben Sie ihm das 2:0 gut?
Löw: „Ich habe mit Mario gesprochen, dass ich hohen Einsatz erwarte, dass er die Wege geht, dass er versucht, tief zu gehen, dass er sich vorne behauptet. Das zweite Tor ist ihm schon im starken Maße anzurechnen. Er lag auf dem Boden, hat sich wieder hochgerappelt und durchgesetzt. Er hatte natürlich auch etwas Glück, dass der Ball vom Waliser Spieler ins Tor geht. Aber das war schon mal eine gute Einzelleistung.“
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