Mit einer guten Leistung hat Hertha BSC beim HSV einen Punkt entführt. Während die Hamburger zwei verlorenen Punkten hinterhertrauern, freut sich die Hertha über Rang drei. Der Manager der Hertha ist vor allem mit der Art und Weise, wie dieses Remis erreicht wurde, zufrieden.
Es war ein wenig ulkig, als Herthas Trainer Lucien Favre kurz und knackig in einem Satz erklären sollte, was denn die bärenstarken Berliner 2009 insgesamt auszeichnen würde.
Der Schweizer Coach analysierte stattdessen eine geschlagene Minute die gesamte Partie gegen den Hamburger SV, dem sein Team gerade wacker ein 1:1 abgetrotzt hatte. Nun ja, Sprachbarrieren hin oder her, ein guter Trainer ist Favre allemal, und irgendwie hat er ja indirekt auch eine Antwort gegeben: Hertha hat eine punktuell und minutiös perfekt gesteuerte Mannschaft. Strikt organisiert halt, wie ein Schweizer Uhrwerk.
Hoeneß stolz auf Team
Der Manager von Hertha BSC, Dieter Hoeneß, war da schon entschiedener auskunftsfreudig. „Wir sind gut zurückgekommen“, spielte er auf die frühe HSV-Führung an, auf die Frage nach dem wie, antwortete der Strippenzieher dieses Höhenflugs: „Wir hatten eine gute Ordnung, und der Wille war da, das Ding zu drehen.“
Während Hoeneß frisch und erleichtert wirkte, waren die Protagonisten des HSV mit miesepetrigen (Coach Martin Jol), zermürbten (Spieler Guy Demel) oder fast zornigen (Präsident Bernd Hoffmann) Gesichtszügen zu erblicken. „Uns hilft der Punkt mehr als dem HSV“, erkannte Hoeneß, dessen Mannschaft durch das Remis auf Platz drei der Tabelle katapultiert wurde. Dann zog er das typisch kokette Hoeneß-Grinsen auf, eine Mischung aus gewitzter Ironie und ein wenig hämischer Freude, Spötter mundtot gemacht zu haben. „Unsere Zielsetzung am Anfang war der UEFA Cup. Da haben uns viele für verrückt erklärt“, sagte der Manager, der gleichzeitig auch Geschäftsführer ist. Nun sei man auf einem Champions-League-Rang.
Hamburg wohl raus aus dem Titelrennen
Die Hertha spielte gegen die sehr heimstarken Hanseaten die gesamte Spieldauer über munter und selbstbewusst mit, sodass das 1:1 hochverdient war. Die frühe Führung durch Marcell Jansen (8. Minute), der wegen einer Fußprellung zunächst gar nicht auflaufen sollte, egalisierte Gojko Kacar (66.) mit einem schönen Dropkick aus über 20 Metern in den Winkel. „Ein Sonntagsschuss“, befand ein vergrätzter Jol, dann gewann er seinen guten Humor wieder und kalauerte mit Blick auf ein wohl neu zu definierendes Saisonziel hin: „Das einzige Ziel, das wir erreicht haben, ist 55 Punkte zu haben. Einen mehr als letztes Jahr zu Saisonende.“ Ob er zufrieden sei? „Eigentlich nicht“, unkte Jol, dessen Team sich nun wohl ziemlich sicher aus dem Titelrennen verabschiedet hat.
Jol gab auch selbstkritisch zu Protokoll: „Uns hat das Glück gefehlt, aber auch die richtige Überzeugung“, die Führung auszubauen oder mit der letzten Portion Wille und Aggression mit Zähnen und Klauen das 1:0 zu verteidigen. Hoeneß erkannte zwar richtig, dass der HSV wegen des kräftezehrenden UEFA-Pokalspiels vom Donnerstag frühzeitig platt gewesen sei, dennoch rauschten die Rothosen in der Schlussviertelstunde nochmal mit der zweiten Welle vor das Hertha-Gehäuse. Doch eben diese intelligente Abstimmung und blitzartige Umstellung der Gäste vom agierenden Konterfußball auf dicht gestaffelte Defensive zeichnet die Berliner aus. „Hertha ist sehr sachlich“, analysierte Jol in niederländisch-deutschem Duktus.
Kampf um Rang drei
Die Tabelle hat sich indes an diesem 30 Spieltag an der Spitze ein wenig auseinander dividiert. Fünf Punkte auf Tabellenführer VfL Wolfsburg, sowie das deutlich schlechtere Torverhältnis werden dem HSV nicht reichen, um vier Spieltage vor Saisonende nochmal nach den Sternen zu greifen und den ersten Titel nach 1983 an die Elbe zu holen. Es geht nun um Platz drei und lukrative Champions-League-Millionen.
Auf diesem sitzt derweil Hertha mit einem Zähler Vorsprung auf die Hanseaten. Es ist anzunehmen, dass HSV-Boss Hoffmann auch deshalb so gallig dreinschaute, weil von hinten Borussia Dortmund drückt. Jol erkannte warnend: „Es gibt keine Top 5, sondern eine Top 6.“