So schnell geht das auf Schalke! Vor nicht einmal einem Monat herrschte in Gelsenkirchen noch das pure Chaos. Nach der 1:2-Heimpleite gegen den HSV wurde Trainer Fred Rutten entlassen. Seitdem haben die „Knappen“ dreimal ohne Gegentor gewonnen. eurosport.yahoo.de nennt die Gründe für den Aufschwung.
Neues altes Trainergespann
Wie schon in der vergangenen Saison nach dem Rauswurf von Mirko Slomka hat sich die Notlösung auf der Trainerbank als ein Glücksgriff erwiesen. Das Trio Mike Büskens, Youri Moulder und Oliver Reck brachte das Team wieder auf den Erfolgsweg zurück. Nach zwei 2:0-Erfolgen gegen Bielefeld und Karlsruhe gewann Schalke auch am vergangenen Freitag gegen völlig überforderte Cottbuser mit 4:0 und liegt damit nur noch einen Rang hinter Platz fünf, der zur Teilnahme an der neu gegründeten Europa League brechtigt.
Das Lob der Spieler ließ nicht lange auf sich warten. „Die machen bis jetzt eine Superarbeit“, meint Mittelfeldspieler Jermaine Jones. Und Kevin Kuranyi sagt: „Ich hoffe, dass sie oben merken, dass die Drei passen.“ Allerdings will Geschäftsführer Peter Peters dem Trio für die nächste Saison noch nicht das Vertrauen aussprechen. Büskens meinte gegenüber dem Sportinformationsdienst, es interessiere ihn nicht, was nach der Saison passiert.
Neues Selbstvertrauen
Je häufiger die Mannschaft mit dem beliebten Trainertrio gewinnt, desto schwerer wird es für den Vorstand der „Königsblauen“, der Öffentlichkeit einen neuen Coach zu vermitteln. Denn das Team strotzt unter Büskens und Co. nur so vor Selbstvertrauen. Selbst Orlando Engelaar, der unter Rutten weit unter Normalform spielte, zeigt plötzlich längst verschollen geglaubte Qualitäten.
Das 4:0 durch Kuranyi gegen Cottbus bereitete er mustergültig vor. „Dass die Jungs gute Fußballer sind, wussten wir ja“, erklärt Büskens. Seitdem er mit Moulder und Reck das Kommando übernommen hat, scheinen das auch die Spieler selbst wieder zu wissen.
Taktische Veränderungen
„Ich fühle mich auf dieser Position sehr wohl“, meint Halil Altintop über seinen neuen Part als zentraler offensiver Mittelfeldspieler hinter den Spitzen. Im Zentrum sei er viel torgefährlicher als auf seiner früheren Position auf den Außen. „Da passt es sehr gut, wenn ich mehr aus dem Mittelfeld kommen und mir selbst die Bälle holen kann.“
Auch in der Abwehr hat das Trainergespann die Positionen wieder mit den richtigen Spielern besetzt. Nach der Verletzung von Marcelo Bordon ist Heiko Westermann auf seinen angestammten Posten des Innenverteidigers zurückgekehrt und hält seitdem mit Mladen Kristajic den Laden zusammen. Auf der linken Abwehrseite verdrängte der wieder genesene Christian Pander den Georgier Lewan Kobiaschwili. Der Außenverteidiger ist nicht nur in der Defensive stark, sondern unterstrich mit seinem Tor zum 1:0 gegen Energie auch seine Offensivqualitäten.
Mehr Spaß in der Mannschaft
Galten die Schalker unter Rutten noch als zerstrittener Haufen, sagt Mittelfeldspieler Jones jetzt über die Atmosphäre im Team unter dem neuen Trainertrio: „Die bringen eine Superstimmung in die Truppe. Es macht wieder Spaß, und das sieht man an jedem einzelnen Spieler.“ Selbst Stürmer Kuranyi, der in der Hinrunde noch häufig verzagte und laut über einen Weggang aus Gelsenkirchen nachdachte, hat das Lachen wieder gefunden.
Vor dem Spiel gegen die Lausitzer hatte er seinen Mitspielern versprochen, einen auszugeben, wenn er trifft. „Bei unserem Mannschaftsabend nach der Partie habe ich gern die erste Runde Cola bezahlt“, sagte Kuranyi und fügte scherzhaft hinzu: „Wem das nicht passte, konnte auch gerne eine Apfelschorle bestellen.“
Aufbaugegner
Bei aller Freude über die drei makellosen Siege hintereinander ist den Schalkern klar, dass Bielefeld, der KSC und Cottbus nicht die größten Herausforderungen darstellten. „Das waren Pflichtsiege“, machte Jones deutlich, und Altintop sagte nach dem höchsten Saisonsieg der Schalker: „Wir wollen nichts überbewerten.“ Alle wissen, dass die wahren Prüfungen erst noch bevorstehen.
Gleich das kommende Spiel gilt als der ultimative Gradmesser. Bei den wieder erstarkten Münchner Bayern wird ihnen am kommenden Samstag nichts geschenkt werden. „Wir fahren mit sehr viel Respekt nach München, denn der FC Bayern ist eine Topmannschaft“, warnt Kuranyi. „Wenn wir jedoch genauso selbstbewusst auftreten wie in den vergangenen Spielen, können wir auch dort punkten.“ Und Büskens ist schon ganz aufgeregt vor der nächsten Dienstreise. „Ich freue mich auf die Allianz-Arena. Da war ich noch nie.“ Bei einem Europapokalspiel auf der Schalker Bank saß er übrigens auch noch nie. Sollte aber seine Erfolgsserie anhalten und sein Team doch noch die Europa League erreichen, könnte er auch dieses Gefühl bald genießen.
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