1. Bundesliga: DFB-Pokal als rettendes Ufer

Für Bayer Leverkusen ist das DFB-Pokal-Halbfinale „das Spiel des Jahres“. Bayer ist in der Rückrunde ins Niemandsland der Tabelle abgerutscht, das internationale Geschäft kann nur noch über den Pokal erreicht werden. Nun geht es gegen den FSV Mainz 05 – das beste Auswärtsteam der 2. Liga.

Hoch gelobt und begeistert beobachtet wurde der temporeiche Fußball, den Trainer Bruno Labbadia mit seiner Elf in der Hinrunde auf den Rasen zauberte. Im Winter folgte jedoch der Einbruch, ähnlich wie beim Herbstmeister Hoffenheim. Nach zwölf Spieltagen wurde die Werkself neben der TSG noch als Kandidat auf den Meistertitel gehandelt und galt als Vorzeigemodell dafür, wie man mit jungen deutschen Talenten attraktiven Fußball spielen kann.

Doch nach der Pause war die Attraktivität im Leverkusener Spiel verflogen. Nach elf Rückrundenspielen sieht die Bilanz eher mager aus: zwei Siege, vier Unentschieden, fünf Niederlagen. Mit neun Punkten Rückstand auf Rang fünf hat sich Bayer aus dem Rennen um die europäischen Plätze verabschiedet. Die Vorstellungen schwanken zwischen wenigen Lichtblicken (wie dem 4:2-Erfolg über Bayern im Viertelfinale des DFB-Pokals) und glanzlosen, teilweise deprimierenden Spielen wie beim 1:2 in Bielefeld.

Deshalb ruhen nun alle Hoffnungen auf dem DFB-Pokal – der letzten echten Chance zum Einzug in den internationalen Wettbewerb. „Er ist der kürzeste Weg dorthin“, sagte Renato Augusto im „kicker“ und warnt: „Man ist schnell weiter, aber auch schnell draußen.“ Doch im Pokal spielte Bayer bisher überzeugend: Beim einzigen Sieg in der Düsseldorfer LTU-Arena bezwang man im Viertelfinale Bayern München dank einer hervorragenden Leistung mit 4:2.

Nach dem Pokalsieg 1993 und der Finalniederlage 2002 gegen Schalke 04 scheint reine Formsache, denn auf dem Papier ist Bayer gegen Mainz klarer Favorit. Doch die Werkself sollte sich vom Klassenunterschied nicht zu sehr blenden lassen – denn mit Mainz kommt das beste Auswärtsteam der 2. Liga nach Düsseldorf. Neun Siege, drei Unentschieden und nur zwei Niederlagen stehen zu Buche – vielleicht ist es ein Vorteil für die Mainzer, auswärts antreten zu müssen, zumal Bayer die vergangenen sieben Bundesligaspiele in der ungeliebten LTU-Arena nicht mehr gewonnen.

Unterschätzen darf die Elf von Bruno Labbadia die Mainzer keinesfalls. Das Team von Coach Jörn Andersen spielt um den Aufstieg mit und rangiert mit sieben Punkten Rückstand auf Tabellenführer Freiburg auf dem dritten Platz.

Die Generalprobe für das Spiel gegen Leverkusen verlief nicht wie gewünscht. Einer 1:2-Niederlage im Spitzenspiel gegen Freiburg folgte ein mageres 0:0 gegen Ahlen. „Wir fahren als krasser Außenseiter nach Düsseldorf – wie immer, wenn ein Zweitligist bei einem Erstligisten antreten muss“, sagte Andersen, der trotzdem an seine Mannschaft glaubt: „Wir haben ja auch schon die Sensationen gegen Köln und Schalke geschafft. Warum sollten wir das nicht auch gegen Leverkusen schaffen?“

Um die Überraschung abzuwenden, beschwört man bei Bayer das Pokal-Gefühl. Das Endspiel-Feeling kennt auch Simon Rolfes: „Das ist ein einmaliges Erlebnis“, sagte der Bayer-Kapitän und verwies auf die Partie gegen die Münchner: „Wir müssen das Viertelfinale gegen Bayern zum Vorbild nehmen: Dann bin ich optimistisch, dass wir das Finale erreichen.“

Die Leverkusener bangen noch um Renato Augusto und René Adler. Der Keeper laboriert an Schulterproblemen, Augusto klagt über ein angeschwollenes Knie. Dagegen kann Andersen auf die wieder genesenen Stammkräfte Niko Bungert und Markus Feulner setzen, die aufgrund muskulärer Probleme gegen Ahlen passen mussten.
Doch egal, ob Mainz weiterkommt oder nicht – ein Festtag wird die Partie gegen Leverkusen auf jeden Fall. Das unterstrich auch Präsident Harald Strutz: „Feste soll man feiern, wie sie fallen.“

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